Freiberuflicher Architektur-Photograph
Auftrags-Photographie für Projektentwickler, Architekturbüros, Unternehmen,
Verlage und Werbeagenturen
Digitale Grossformat-Photographie
und High-End-Bildbearbeitung Die Aufführung der Architektur
Text von Andreas Ruby aus: Jahrbuch Licht und Architektur
Jens Willebrand ist Architekturfotograf mit einer Handschrift, die sich auf eine zurückhaltende Weise durch sein gesamtes Bildschaffen zieht. Kein plakativer Stil, der auf garantierte Wiedererkennbarkeit im Sinne eines Labels aus wäre; eher ist es eine bestimmte Behandlung der sichtbaren Welt, die seinen Bildern einen unverwechselbaren Ton gibt.
Eine große Rolle spielt die Wahl des Lichtes, mit dem er Oberflächen und Räume auslotet. Das verbreitete Wunschbild des strahlenden Gebäudes unter freiem Himmel dezent umgehend, fotografiert er fast nie bei direktem Sonnenlicht, sondern lieber bei leicht bedecktem Himmel. Seine bevorzugte Lichtsituation ist ein unbewölkter Himmel kurz vor Sonnenaufgang: jene Zwischenzeit, die nicht mehr der Nacht, aber noch nicht dem Tag gehört. Die Straßenansicht des Felix-Nußbaum-Museums von Daniel Libeskind ist bei diesem Licht entstanden, an einem Sommertag kurz vor fünf Uhr morgens. Doch spürt man die frühe Tageszeit eigentlich nur an den verwischten Autolichtern im Vordergrund sowie dem rötlichen Schimmer hinter den Bäumen am linken Bildrand. Der Rest des Himmels ist von einer zeitlosen Helle erfüllt, die den Betonbau in ein weiches, aber konturreiches Licht taucht und seine glatten Oberflächen in Ruhe zur Erscheinung kommen lässt, anstatt sie mit aggressiven Schattenspielen der danebenstehenden Bäume zu verstören, wie es ein paar Stunden später der Fall sein wird.
Die Aufnahme des Wasserpavillons von Nox ist dagegen kurz vor Einbruch der Nacht entstanden. Die Sonne ist längst untergegangen, so dass man das in dünnen Edelstahlbahnen umkleidete Gebäude nur noch schemenhaft erkennen kann. Einige wenige Lichtreflexe streifen über sein Volumen und kulminieren in der letzten hellen Wolkenpartie am linken Bildrand. Auf diese Weise erscheint das Gebäude nicht als isolierte Techno-Monade im Niemandsland des Osterschelde-Damms, sondern eher wie die irdische Fortsetzung des dramatisch bewegten Wolkenhimmels über der Küste Zeelands. Landschaft, Licht und Architektur verschmelzen im atmosphärischen Porträt eines bemerkenswerten Augenblicks.
Die Hofansicht von Joachim und Margot Schürmanns Wohnbebauung an Groß St. Martin in Köln offenbart wiederum die seltene Gabe, aus einer zunächst unscheinbaren Situation verborgene räumliche Qualitäten freizulegen. Auch wenn die Gebäude den Großteil der Bildfläche einnehmen, spielen sie doch nicht die Hauptrolle in diesem Bild. Eher scheinen sie etwas zu rahmen, was eigentlich nicht sichtbar ist: den Raum zwischen ihren Mauern. Erst diese Umkehrung lenkt den Blick auf die anrührende Intimität dieses Hofes und die unmerkliche Bewegung seiner begrünten Bodenfläche, deren spielerischer Charme dem Block letztlich seine Strenge nimmt.
Ein beredtes Beispiel für Jens Willebrands außergewöhnliche Visualisierungskraft räumlicher Beziehungen ist schließlich die Aufnahme des UFA-Kinozentrums von Coop Himmelblau in Dresden. Statt das Gebäude als Ikone zu isolieren, kadriert das Bild die räumliche Kommunikation der Architektur mit ihrem Kontext. Auf diese Weise wird deutlich, wie sehr Coop Himmelblau mit dem rigiden Modernismus der Prager Straße zu spielen in der Lage ist. Sich in der gefalteten Fassade des Kino-Kristalls spiegelnd, wird die scheinbar endlose Wohnscheibe von der räumlichen Dynamik des weit vorkragenden Glaskörpers erfasst und in atemberaubender Weise in sein transparentes Foyer projiziert, bevor sie mit dem Himmel verschmilzt, der das dekonstruktivistische Glasdach von oben diaphan durchwirkt. So gesehen erweist sich der gerasterte Platz zwischen beiden Gebäuden auch nicht mehr als überdimensionierte Leere, sondern bezeichnet das magnetische Feld ihrer Anziehung und Abstoßung.
Vier Beispiele nur für eine Auffassung von Architekturfotografie, die nicht weiter entfernt sein könnte von der falschen Bescheidenheit jener dokumentarischen Objektivität, die in vielen Köpfen noch immer als das Nonplusultra der Profession herumspukt. Jens Willebrands Fotografie verhält sich zur Architektur eher so wie die musikalische Interpretation zu ihrer Komposition: Sie bringt sie zur Aufführung.
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